Aluminiumpreise steigen aufgrund des Krieges im Nahen Osten

Der Krieg im Nahen Osten hat den Aluminiummarkt stark unter Druck gesetzt – sowohl kurzfristig als auch langfristig.

Aktuell liegt der LME-Preis bei rund 3.400 US-Dollar/Tonne und damit auf dem höchsten Stand seit 2022. Banken erwarten, dass der Preis in den nächsten drei Monaten 3.600 bis 4.000 US-Dollar/Tonne erreichen wird.

Zum Vergleich: Der Durchschnittspreis lag 2025 bei 2.635 US-Dollar/Tonne.

Was ist das Problem?

Die starken Preisanstiege haben mehrere Gründe:

Produktionsstillstand

Qatalum, eine große Aluminiumhütte in Katar, hat aufgrund des Krieges mit Produktionsstopps begonnen. Nach der Stilllegung einer Hütte dauert es sechs bis zwölf Monate, bis die Produktion wieder vollumfänglich aufgenommen werden kann. Dies liegt daran, dass eine Elektrolyseanlage nach einer Stilllegung nicht wieder in Betrieb genommen werden kann und daher eine komplett neue Anlage gebaut werden muss. Die lange Anlaufzeit bedeutet auch, dass man nicht einfach ein Werk, beispielsweise in Deutschland, errichten kann, das die fehlende Produktion übernehmen könnte.

Daher befürchtet der Markt insbesondere, dass die Aluminiumversorgung über einen längeren Zeitraum gering bleiben wird, selbst wenn der Krieg bald endet.

Beschränkung der Straße von Hormus

Eine weitere Schmelzhütte, Aluminum Bahrain (Alba), ist die größte Aluminiumhütte der Welt außerhalb Chinas, und die Produktion läuft hier noch auf Hochtouren. Das Problem ist, dass Bahrain vom Persischen Golf abgeschnitten ist und das Material derzeit nicht durch die Straße von Hormus transportiert werden kann.

Ein dritter Faktor ist, dass die Schmelzhütten auf die Rohstoffe für die Produktion – Bauxit und Aluminiumoxid – angewiesen sind, die durch die Straße von Hormus transportiert werden müssen. Daher ist in naher Zukunft mit Produktionsrückgängen zu rechnen, wenn die Rohstoffe die Schmelzhütten nicht erreichen können.

Die Straße von Hormus ist die einzige Seeroute aus den Golfstaaten heraus.
Die Straße von Hormus ist die einzige Seeroute aus den Golfstaaten heraus.

Prämien und Frachtraten

Parallel zum Metallpreis steigen auch die Prämien der Aluminiumhütten deutlich an. Diese Prämien werden hauptsächlich durch die Frachtraten bestimmt und steigen aus zwei Gründen: Erstens müssen viele Rohstoffe für Europa nun weiter transportiert werden, da sie aus weiter entfernten Ländern stammen. Zweitens sind die Ölexporte der Golfstaaten von der Situation in der Straße von Hormus betroffen, was zu einem starken Anstieg des Ölpreises geführt hat.

Europäische Aluminiumprämie
Europäische Aluminiumprämie

Welche Auswirkungen hat dies auf Europa und Sie?

Die Golfstaaten produzieren 8 % der weltweiten Aluminiummenge, was allein schon ausreicht, um den Weltmarkt zu erschüttern. Europa ist jedoch besonders betroffen, da 20 % des europäischen Aluminiums aus dieser Region stammen. Dies erhöht das Risiko von Preiserhöhungen und einer Aluminiumknappheit in Europa.

Wir gehen davon aus, dass die aktuelle Situation den Markt noch lange Zeit in Aufruhr versetzen wird. Selbst nach Kriegsende wird es einige Zeit dauern, bis die Produktion wieder die volle Kapazität erreicht und die Produktionsausfälle aufgeholt sind.

Bei Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.